Wissenswertes

Melaten Friedhof

Der Melatenfriedhof

Das Siechenhaus
Der Melatenfriedhof ist einer der größten Friedhöfe Kölns und wird als Friedhof seit mehr als zweihundert Jahren genutzt. Aber Urkunden belegen, dass es auf dem Gelände des heutigen Friedhofes schon seit 1180 ein Leprosenheim, im Mittelalter das größte Haus seiner Art in Deutschland, gab, ein Asyl, das erst 1767, nachdem es in Europa keine Fälle von Lepra mehr gab, seine Pforten schloss.
Organisiert war das Siechenhaus als eine Art Bruderschaft, der auch zahlreiche Nichtkranke, zum Beispiel Flüchtlinge, angehörten. Sogar eine berüchtigte Räuberbande trieb ihr Unwesen im Schutz des Melatenhauses, dass sie als Unterkunfts- und Rückzugsort nutzten.
Einkünfte und Besitz von Melaten waren nicht unerheblich.
1765 wurde ein Zucht- und Arbeitshaus eingerichtet, dass 1801 dann von Waisenkindern bezogen wurde.

Die Hinrichtungsstätte
Von 1588 bis 1797 war Rabenstein, in der Nähe von Hof Melaten gelegen, eine öffentliche, städtische Hinrichtungsstätte.

Ab 1804 wurde das ehemalige Siechengelände umgestaltet und Juni 1810 wurde dann der Melatenfriedhof eingeweiht. Von Anfang an war er nach französischem Vorbild auch als Grünanlage und Erholungsstätte geplant.

Der Melatenfriedhof heute

Obwohl 435.000 m² groß musste auch der Melatenfriedhof in Köln schon mehrfach erweitert und durch zusätzliche Friedhöfe entlastet werden. Heute besteht der Melatenfriedhof aus dem Alten Ehrenfelder Friedhof, dem Melatenfriedhof im engeren Sinne und einem nicht öffentlichen jüdischen Friedhof.
Selbstverständlich bietet der Melatenfriedhof ebenso wie andere Kölner Friedhöfe einige Zeugnisse großer Friedhofskunst und historische Bauten und Denkmäler. Daneben ist die 1245 vom Erzbischof Konrad von Hochstade geweihte Kapelle eine historische Stätte, die instand gesetzt und der Vergessenheit entrissen werden soll. Im Jahre 1980 wurde der Melatenfriedhof unter Denkmalschutz gestellt und ist heute ein Anziehungspunkt für Ausflügler.
Die vielen Prominenten, die hier bestattet sind, tragen nicht unerheblich dazu bei. Zudem ist der Melatenfriedhof eine grüne Insel mitten in der Stadt.
Seit 1981 ist die Patenschaft für denkmalgeschütze Grabstätten, deren Nutzungsrecht abgelaufen ist, möglich. Der Pate pflegt und erhält die Grabstätte und erhält dafür dann das Nutzungsrecht.
Ein Beispiel für dieses Verfahren ist der Sensemann, der ursprünglich für Johann Müllemeister geschaffen wurde. Heute ist in dieser Grabstelle der Sohn der derzeitigen Paten bestattet.

Der Melatenfriedhof mit seiner bunten Mischung von Stilelementen aus verschiedenen Epochen und seinen alten Pflanzenbeständen ist weit davon entfernt, ein trostloser Ort zu sein. Für Besucher erzählt er, gerade weil der einsetzende Verfall reizvoll auf Besucher wirkt, steinerne Geschichten.

Naturschutz auf dem Melatenfriedhof

Aber durch sein Alter ist dieser Friedhof eine Stätte besonders reichhaltiger und abwechslungsreicher Fauna und Flora mit dem Flair verwunschener Märchenparks.
Die Hauptwege und die Ost-Westachse wurden mit Alleen aus hohen Platanen bepflanzt, die Seitenwege mit Linden und Rosenstöcken. Es finden sich aber auch Lebensbäume, Birken und Trauerulmen, Ahorn und Trompetenbäume sowie exotische Pflanzen wie die japanische Zierkirsche.
Auf dem Melatenfriedhof leben und vermehren sich über 40 Vogelarten, die man an für sie eingerichteten Futterplätzen und Wasserstellen beobachten kann.
Es haben sich Fledermäuse, Eichhörnchen, verwilderte Katzen und Füchse angesiedelt und sogar seltene Insekten wie die Feuerwanze und Waldkäuze sind zu finden.
Jüngst wurde ein Reiher entdeckt und ein Mäusebussard beobachtet.
Der Arbeitskreis NABU (Naturschutzbund) Köln hat es sich zur Aufgabe gemacht, Vögel und Fledermäuse aktiv zu schützen. Die Friedhofsgestaltung erfolgt nach den Gesichtspunkten des Naturschutzes. Vogelhecken werden gepflanzt, Nistkästen werden zur Verfügung gestellt und Futterplätze und Wasserstellen gestaltet.

Gerade so werden Friedhöfe in Köln zu Lebensräumen und Stätten der Begegnung mit der eigenen und der geschichtlichen Vergangenheit und der Tod wird Teil des Lebens.